Realisierungswettbewerb "Neubau Rathaus in Schierling"

für den Realisierungswettbewerb erhielten wir den 3.Preis

Auslober: Markt Schierling

Neubau Rathaus mit städtebaulichem Umfeld

STÄDTEBAU I STÄRKUNG DER ORTSMITTE

Der Rathausneubau erstreckt sich als polygonaler Baukörper auf dem gesamten möglichen Baufenster. Der Baukörper umschließt den introvertierten grünen Innenhof. Das zweigeschossige Gebäude positioniert sich entlang des Marktplatzes und bildet das Gegenüber zu dem Bestand. Im Bereich der Hauptstraße wird die Gebäudeflucht des benachbarten Bestands verlängert. Das Gebäudevolumen bildet eine adäquate Lösung für die heterogene Körnigkeit der Umgebung. Mit seinem Kopfbau, in dem sich der Trauungssaal und das Bürgermeisterzimmer befinden, behautet es sich gegenüber der Umgebung und bildet eine leicht auffindbare Adresse.

MARKTPLATZ

Der Markplatz wird durch den Neubau des Rathauses städtebaulich gefasst. Großformatige Pflasterbeläge mit Bänderungen im Raster von 2,5 Meter strukturieren den Marktplatz. In dem Raster finden Stellplätze, Fahrräder und Markstände ihre Zuordnung. Die bestehenden Grünfelder werden in das Freiflächenkonzept integriert.

Der gesamte Marktplatzbereich wird verkehrsberuhigt. Der Pflasterbelag wird über die Hauptstraße geführt, um den Verkehr zu beruhigen. Gehweg und Fahrbahn werden barrierefrei auf ein Niveau gebracht. Die Fahrbahn wird durch zusätzliche Streifen im Pflasterbelag markiert. Die Bänderung des Belages überspannt den gesamten Marktplatz und dienen als Markierung für die Aufstellung der Markstände, die nun senkrecht zu den Gebäuden angeordnet werden sollen. Der Freibereich westlich des Platzes bleibt weitgehend bestehen und ist Bestandteil des Gesamtkonzepts.

ADRESSBILDUNG

Das Rathausfoyer öffnet sich repräsentativ zum Marktplatz. Die Besucher werden durch den eingeschnittenen Eingangsbereich ins Innere geführt und können sich von hier aus leicht orientieren. Das Foyer schließt direkt an den begrünten Innenhof an. Alle Räume sind ringförmig um den Innenhof angeordnet. Die hofseitige Verglasung kann großflächig geöffnet werden. Der großzügige, geschützte und begrünte Innenhof ist für alle Besucher und Mitarbeiter zugänglich. Das Bürgerbüro befindet sich leicht auffindbar an zentraler Stelle im Erdgeschoss. Von allen Seiten sind Einblicke in den grünen Innenhof möglich. Im ersten Obergeschoss befindet sich der Trausaal mit vorgelagertem Balkon zum Innenhof. Direkt daneben ist das Hauptamt des Bürgermeisters zu finden. Als Schutz vor möglichem Hochwasser ist das Gebäude erhöht. Das Erdgeschoss liegt auf einem Sockel rund einem Meter über dem Geländeniveau und wird durch Treppen und über eine Rampe barrierefrei erreicht.

KLIMANEUTRALES RATHAUS

Die Massivbauweise mit mineralischen Dämmstoffen und die Verwendung von Recyclingbeton trägt zu einem ressourcenschonenden Umgang von Baustoffen bei. Auf die Verwendung von gesunden, emissionsarmen Baustoffen wird besonders Wert gelegt. Alle Räume werden durch angemessen große Fenster natürlich belichtet. Dreifachverglasungen und ein verschattender außenliegender Sonnenschutz an den Verglasungsflächen dienen dem sommerlichen Wärmeschutz. Die Materialität der Fassaden schafft durch eine helle Fassadenverkleidung mit geschliffenem Naturstein und die Holz-Aluminium-Fenster mit Lüftungselementen einen hohen Wiedererkennungswert.

Durch die Reduzierung der Fassade auf wenige Materialien gestaltet sich das äußere Erscheinungsbild ruhig, modern und zugleich zeitlos. Das neue Rathaus soll weitgehend als Low-Tech-Gebäude konzipiert werden. Die großen Speichermassen in Außenwänden und Stahlbetondecken werden mit Bauteilaktivierung versehen und garantieren ein stabiles Raumklima. Zusätzlich zur Tageslichtnutzung aller Räume ist der Einsatz eines Beleuchtungssystems auf Basis von LEDs vorgesehen um Wärmelasten und Energiebedarf stark zu reduzieren. Der Strombedarf für Beleuchtung und Gebäudetechnik kann größtenteils über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach abgedeckt werden.

Das vorgeschlagene Gebäudekonzept kombiniert wirtschaftliche Erstellungskosten mit einer hohen Effizienz und einem nachhaltigen Energiekonzept. Die optimierte Gebäudehülle verbindet einen langen Lebenszyklus des Gebäudes mit guten wärmetechnischen Eigenschaften, geringer Herstellungsenergie und einem hohen Maß an Recyclingfähigkeit, was zur ökologischen Nachhaltigkeit des neuen Rathauses beiträgt. Zur Regenwasserrückhaltung werden die Dachflächen extensiv begrünt. Der Innenhof bleibt unversiegelt und wird intensiv begrünt. Durch Pflanzungen und Wasserflächen entsteht im Innenhof ein kühlendes Kleinbiotop. Pflanzungen aus heimischen Gehölzen spenden ausreichend Schatten und sorgen für ein angenehmes Mikroklima. Schwarzkiefern bilden ein schattenspendendes immergrünes Baumdach über dem Innenhof. Die geschaffene Oase ist für Besucher und Mitarbeiter ein Ort zum Verweilen.

TRAGWERK UND NACHHALTIGKEIT

Leitidee für das Konzept zur Nachhaltigkeit und ökologischen Angemessenheit der Konstruktion ist die Minimierung des Resourcenverbrauchs bei der Herstellung des Gebäudes, die Vermeidung von schwer recycelbaren Verbundwerkstoffen und der Einsatz der Baustoffe in einem optimalen Verhältnis aus Dauerhaftigkeit und Primärenergieverbrauch bei der Herstellung. Die mit recycelten Zuschlägen hergestellten Stahlbetonbauteile („Recyclingbeton“) mit einer planmäßigen Nutzungsdauer von 50-100 Jahren ohne erforderliche Instandsetzungsmaßnahmen gewährleisten neben dem reinen Lastabtrag ausreichenden Schall- und Brandschutz ohne zusätzliche baukonstruktive Maßnahmen oder Verbundkonstruktionen. Hieraus ergibt sich für diese Bauteile unter Berücksichtigung des eingesetzten innovativen Recyclingmaterials und des langen Lebenszyklus eine sehr nachhaltige und robuste Bauweise. Zusätzlich wird der Primärenergiebedarf für die Herstellung des Betons durch den Einsatz von Zement CEM III und einer hohen Substitution des Zements durch Flugasche minimiert. Die Deckenspannweiten sind so optimiert, dass sich im Wesentlichen aus den bauphysikalischen Anforderungen für den Schallschutz erforderlichen Deckenstärken entwickeln.

TRAGWERK UND WIRTSCHAFTLICHKEIT

Das Tragwerk des Neubaus ist als fugenloser Massivbau mit Stahlbetonflachdecken aus Recyclingbeton mit minimierter Kubatur konzipiert. Die Geschossdecken sind schlaff bewehrt und unterzugsfrei, um so neben größtmöglicher Grundrissflexibilität die Konstruktionshöhen zu minimieren und gleichzeitig kollisionsfreie Verzüge der Haustechnik zu gewährleisten. Die Decken in den Regelbereichen spannen in Querrichtung von der Außenfassade über die Flurachse. Die Flurachse kann dabei in Stützen aufgelöst werden. Auf Grund der nichttragenden Querwände zwischen den Büroräumen ergibt sich so eine hohe Grundrissflexibilität, die eine lange Nutzungsdauer des Gebäudes ohne baukonstruktive Veränderungen gewährleistet. Im Foyer wird die Decke unter dem Sitzungssaal punktförmig als Flachdecke gestützt. Die Deckenkonstruktion über dem Saal ist eine Brettschichtholzrippendecke die in Gebäudelängsrichtung spannt. Das klar strukturierte Tragwerk mit seiner Materialwahl bietet sowohl eine robuste und nachhaltige wie auch wirtschaftliche Bauweise mit optimierter Bauzeit und ausreichenden Speichermassen für ein ausgeglichenes Raumklima.